Wie ein 21-Jähriger Konstantinopel eroberte und die Welt veränderte

Ein neunzehnjähriger Sultan ritt im April 1453 vor den Mauern einer Stadt auf, die seit einem Jahrtausend jedem Belagerer getrotzt hatte. Konstantinopel, die Königin der Städte, lag hinter einem dreifachen Landwall, der Theodosiusmauer, und einer gewaltigen Kette, die den Goldenen Horn versperrte. Mehmed II., seit zwei Jahren auf dem Thron, hatte keine Schlacht verloren, aber auch keine Stadt dieser Größenordnung genommen. Was er fehlte an Erfahrung, glich er mit einer kalten, berechnenden Entschlossenheit aus: Er würde die Stadt nehmen oder dabei sterben.

Der Kanonengießer und die Kette

Mehmeds Trumpf war kein Heer, sondern ein Ungar namens Orban. Der Meistergießer hatte den byzantinischen Kaiser um einen Lohn gebeten, den dieser nicht zahlen konnte. Mehmed bot das Vierfache. In Adrianopel goss Orban ein Monster aus Bronze: fast neun Meter lang, sechzig Ochsenpaare nötig, um es zu bewegen, fähig, eine 1.200 Pfund schwere Steinkugel über eine Meile zu schleudern. Die "Basilic" und dutzende kleinere Geschütze stellten sich vor den Landmauern auf. Am 6. April eröffneten sie das Feuer. Der Lärm war ohrenbetäubend, die Wirkung verheerend. Mauerwerk, das Katapulte und Steinschleudern jahrhundertelang unversehrt gelassen hatten, bröckelte unter dem ständigen Hämmern. Doch so schnell Breschen geschlagen wurden, so schnell stopften die Verteidiger sie nachts mit Erde und Balken.

Die Belagerung zog sich hin. Ende April gelang einer kleinen genuesischen Flotte der Durchbruch durch die osmanische Seeblockade und an der Kette vorbei in den Goldenen Horn – eine demütigende Niederlage für Mehmed. Die Moral der Belagerten stieg, die seiner Truppen sank. Der Sultan brauchte ein Wunder. Er fand es in der Topografie.

Schiffe über den Hügel

In einer einzigen Nacht, unter strenger Geheimhaltung, ließen Mehmeds Ingenieure eine hölzerne Bahn über den steilen Hügel von Galata legen, gefettet mit Schafseife. Siebzig Galeeren und kleinere Schiffe wurden auf Schlitten gelegt, von Hunderten Männern und Ochsen den Hang hinaufgezogen und auf der anderen Seite in das Wasser des Goldenen Horns gelassen. Als die Sonne aufging, lag die osmanische Flotte dort, wo sie unmöglich sein konnte: hinter der Kette, im geschützten Hafen der Stadt. Die byzantinische Verteidigung war umgangen, die Verteidigungslinie um Kilometer verlängert. Giovanni Giustiniani, der genuesische Befehlshaber der Landmauer, musste Männer an die Seemauern abziehen. Die Belagerer konnten nun auch von der Seeseite angreifen.

Die letzte Nacht

Am Abend des 28. Mai senkte sich Stille über das osmanische Lager. Die Soldaten beteten, schärften Waffen, schrieben Abschiedsbriefe. In der Stadt läuteten die Glocken der Hagia Sophia. Orthodoxe Priester und katholische Kardinäle, ihre Streitigkeiten vergessen, führten eine Prozession durch die Straßen. Kaiser Konstantin XI. Palaiologos, ein Mann von blasser Gestalt und eisernem Willen, feierte die letzte Messe in der großen Kirche. Er hatte alle Hilfsgesuche nach Venedig und Rom ausgeschlagen oder vergebens gestellt. Niemand kam. Er wusste, dass er sterben würde.

In der Dämmerung des 29. Mai begann der finale Sturm. Erst die unregelmäßigen Baschi-Bosuks, dann die anatolischen Regimenter, endlich die Janitscharen – die Eliteinfanterie, Sklaven des Sultans, erzogen zu tödlicher Disziplin. Stundenlang hielten die Verteidiger die Hauptbresche. Dann fiel Giustiniani, tödlich verwundet. Seine Evakuierung löste Panik unter den Genuesen aus. In diesem Moment entdeckten osmanische Truppen ein kleines, unverschlossenes Hintertor, die Kerkoporta. Sie strömten hindurch, hissten die Flagge auf einem Turm. Der Ruf ging auf: Die Stadt ist genommen. Konstantin XI. legte seine kaiserlichen Insignien ab, stürzte sich in den Nahkampf und verschwand im Chaos. Sein Leichnam wurde nie sicher identifiziert.

Vom Raub zur Metropole

Drei Tage Plünderung folgten, grausam und blutig, wie es der Brauch der Zeit war. Dann ritt Mehmed in die Hagia Sophia ein, streute eine Handvoll Erde auf seinen Turban als Zeichen der Demut und befahl die Umwandlung zur Moschee. Aber der Eroberer war kein Zerstörer. Er wollte eine Hauptstadt für sein Weltreich. Er ließ die Plünderung stoppen, lud Griechen, Armenier, Juden und Muslime aus allen Teilen seines Reiches ein, die leere Stadt zu füllen. Er setzte den antiunierten Mönch Gennadios Scholarios als Patriarchen ein, garantierte der orthodoxen Kirche Autonomie – die Geburt des Millet-Systems. Er baute den Topkapi-Palast, gründete Medresen, ließ Märkte und Bäder errichten. Innerhalb von Jahrzehnten war Istanbul wieder eine der größten, reichsten und vielfältigsten Städte der Welt.

Mehmed starb 1481, neunundvierzigjährig, auf dem Weg zu einem neuen Feldzug. Er hinterließ ein Reich, das von der Donau bis zum Euphrat reichte, und eine Stadt, die das Tor zwischen den Kontinenten beherrschte. Die Mauern, die tausend Jahre gehalten hatten, waren gefallen – nicht durch Verrat oder Verfall, sondern durch die Vorstellungskraft eines jungen Mannes, der glaubte, die Welt gehöre denen, die sie zu nehmen wagten.

Dies ist nur eine Episode aus einer viel längeren Geschichte. Die vollständige Darstellung von die Eroberung Konstantinopels 1453 finden Sie in „Eine Geschichte der Türkei“ von Mehmet Yılmaz auf MixCache.com.

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