Der Putsch im Bürgerbräukeller: Hitlers gescheiterter Marsch auf München

Am Abend des 8. November 1923 füllte sich der Bürgerbräukeller mit einer dichten Menge. Gustav von Kahr, der bayerische Generalstaatskommissar, sprach vor etwa dreitausend Zuhörern, flankiert von Polizeipräsident Hans von Seisser und dem örtlichen Armeekommandeur Otto von Lossow. Die Atmosphäre war aufgeladen; seit Monaten brodelte es in Bayern zwischen der rechten Landesregierung und der Reichsregierung in Berlin. Plötzlich stürmten schwer bewaffnete Männer in braunen Hemden den Saal. An ihrer Spitze ein Mann, der eine Pistole in die Decke feuerte und brüllte: „Die nationale Revolution ist ausgebrochen!“

Der Überfall auf die Versammlung

Adolf Hitler, damals ein dreiunddreißigjähriger Agitator mit wallendem Haar und hypnotischer Stimme, hatte den Putsch lange vorbereitet. Seine Sturmabteilung, die SA, umstellte das Gebäude mit sechshundert Mann. Während Hitler die drei Spitzen der bayerischen Exekutive unter vorgehaltener Waffe in einen Nebenraum zerrte und sie einzuschüchtern versuchte, verkündete er im Saal die Bildung einer neuen Reichsregierung mit General Erich Ludendorff an der Spitze. Ludendorff, der einstige Generalquartiermeister im Weltkrieg, war Hitlers prominenter Mitverschwörer — sein Name sollte dem Unternehmen militärische Würde verleihen.

Die bayerischen Führer ließen sich zunächst beeindrucken. Kahr, Seisser und Lossow nickten widerwillig zu. Doch sobald Hitler sie gehen ließ, widerriefen sie ihre Zusage. Kahr floh nach Regensburg, organisierte den Widerstand. Der Putsch, der als blitzartiger Schlag geplant war, geriet ins Stocken. Weder die Reichswehr noch die Landespolizei schlossen sich an. Die通讯zentralen blieben in loyaler Hand. Hitler hatte die Kontrolle über den entscheidenden Faktor — die Staatsgewalt — nicht erlangt.

Der Marsch zur Feldherrnhalle

Am Morgen des 9. November, einem kühlen Freitag, wagte Hitler den alles entscheidenden Wurf. Etwa zweitausend Anhänger formierten sich zum Marsch durch die Innenstadt. An der Spitze gingen Hitler, Ludendorff, Hermann Göring und Julius Streicher. Die Masse bewegte sich über die Ludwigstraße Richtung Odeonsplatz, wo die Feldherrnhalle stand — ein Monument für die bayerische Armee, kopiert von der Loggia dei Lanzi in Florenz. Dort erwartete sie eine Kette von Landespolizisten, bewaffnet mit Karabinern und Maschinengewehren.

Was dann geschah, dauerte nur Sekunden. Ein Schuss fiel — bis heute unklar, von welcher Seite. Sofort eröffneten beide Seiten das Feuer. In dem kurzen, wilden Gefecht starben vierzehn Putschisten und vier Polizisten. Göring wurde schwer an der Hüfte getroffen, Hitler stürzte zu Boden, zog sich eine Schulterverletzung zu. Die Menge auseinander, die Überlebenden flohen in Seitengassen. Der Marsch war zusammengebrochen, bevor er das Ziel erreicht hatte.

Der Prozess als Bühne

Hitler versteckte sich zwei Tage bei Freunden, dann nahm ihn die Polizei fest. Der Hochverratsprozess vor dem Volksgericht in München begann Ende Februar 1924. Was als Strafjustiz gedacht war, wurde zur Propagandabühne. Der vorsitzende Richter Georg Neithardt ließ Hitler reden — stundenlang, tagelang. Hitler nutzte die Gelegenheit, die Republik anzuprangern, seinen Putsch als patriotischen Notwehrakt zu deuten. „Ich allein trage die Verantwortung“, sagte er, „aber ich bin kein Verbrecher.“ Die Öffentlichkeit verfolgte die Verhandlung gebannt; Zeitungen druckten seine Reden fast ungekürzt.

Das Urteil fiel am 1. April 1924 milde aus: fünf Jahre Festungshaft, davon vier Jahre bedingt. Ludendorff wurde freigesprochen. Hitler verbüßte lediglich neun Monate in der komfortablen Festung Landsberg, wo er seinem Gefährten Rudolf Hess den ersten Band von „Mein Kampf“ diktierte. Die NSDAP wurde vorübergehend verboten, doch der Prozess hatte Hitler bundesweit bekannt gemacht. Er hatte gelernt: Die Macht ließ sich nicht mit dem Gewehr erringen, sondern indem man die Demokratie von innen aushöhlte.

Eine Lektion für die Geschichte

Der gescheiterte Putsch blieb in der NS-Mythologie als „Blutzeugnis“ der Bewegung verankert. Die sechzehn Toten wurden später in „Ehrentempeln“ am Königsplatz bestattet, jedes Jahr am 9. November feierte das Regime den „Tag der Bewegung“. Doch 1923 war der Versuch eines Außenseiters, der die Staatsgewalt unterschätzt hatte. Bayerns konservative Eliten — Kahr, Seisser, Lossow — hatten ihn letztlich gestoppt, wenn auch zögerlich und spät. Zehn Jahre später, am 30. Januar 1933, wurde Hitler dann doch Reichskanzler — nicht durch einen Putsch, sondern durch Ernennung. Der Marsch auf die Feldherrnhalle war die Generalprobe für die Machtübernahme auf legalem Weg.

Dies ist nur eine Episode aus einer viel längeren Geschichte. Die vollständige Darstellung von die Geschichte Bayerns finden Sie in „Geschichtevon Bavaria“ von Jonas Schneider auf MixCache.com.

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